„Es war die Zeit, als wir begannen, wieder zuzuhören.“

Dieser Song ist, vielleicht nicht sofort erkennbar, ein sehr ernstes, wenn nicht sogar ein düsteres Lied. Es geht um die Lethargie und um die Oberflächlichkeit in der Gesellschaft. Um Achtlosigkeit und um die, nur auf Konsum reduzierten, Verhältnisse in unserer Zeit. Gefühle und Gedanken werden über WhatsApp und Facebook – „so schnell wie das Licht“ – massenhaft verstreut. Hohe Gebäude, hohe Geschwindigkeiten, hochauflösende Fotos … wir sehen nicht wirklich hin. Begehrte Plätze in Restaurants werden bestellt, um Sonnenuntergänge zu bestaunen. Profilbilder ersetzen das fehlende Naturverständnis. Geld wird schnell ausgegeben und scheint oft keine Rolle zu spielen. Versteckt hinter den hohen Häusern (Mauern) unserer Städte bauen wir unser „Glück“ auf Stahl und Beton. Die Jungen werden alt, die Alten nur Staub im Wind – nur wenige werden sich erinnern. 

Im Lied wird aber auch ein Wandel angedeutet, das Ende einer Macht, die alles zu bestimmen scheint. Es geht im Song auch um das Erkennen der Fehler, um die Hilflosigkeit und um den Versuch, auszubrechen. Letztendlich ist es die Liebe – vielleicht der letzten Ausweg? „Sie breiten die Arme aus, ganz wie von selbst – schön wie Flügel.“ Wie ein Zeichen! Womöglich geht es auch um den „einen letzten Schritt“.

„Wenn zwei Menschen mit Ihrer Liebe alles in Frage stellen.“

Die Themen sind nur vage angedeutet, im Wechselspiel von Strophe und Refrain. Das „Verlorene Lied“ ist letztlich eine Metapher für den Werteverlust in unserer Zeit.

„Viel zu spät fanden wir das verlorene Lied und sangen es vor den Toren unserer Stadt … viel zu spät!“

Die mittlere Szene stellt die Liebe dar, festgehalten und eingebettet in das Konglomerat der vielen farbigen Fotos, eingefroren dann auch im exakten Moment. 

Die vielen Bildsequenzen zum Ende hin sollen die Vielfalt der Gefahren aufzeichnen: Waffen, Krieg, Religionen, Wassermangel, Armut, Abriss.

Im krassen Gegensatz dazu die Schlussszene, wieder ein analoger 8mm Film. Sie zeigt das unbekümmerte, kindliche Weglaufen, verwischt und eingefroren für die Zukunft. Ich finde es ist eine, so vermutlich ungewollte, aber fantastische Szene. Weit weg vom Facebook-Hochglanz. 

OD Februar 2018